«Die Antike ist aktueller denn je»

    Zum 60-jährigen Bestehen blickt das Antikenmuseum Basel auf eine bewegte Geschichte zurück. Direktor Dr. Andrea Bignasca erzählt, wie sich das Museum verändert hat, weshalb antike Kulturen bis heute unser Leben prägen und wie moderne Formate auch junge Menschen für die Geschichte begeistern.

    (Bilder: zVg) Seit 60 Jahren schlägt das Antikenmuseum Basel eine Brücke zwischen der antiken Welt und der Gegenwart. Hier die Sammlung des Alten Ägyptens.

    Das Antikenmuseum feiert sein 60-jähriges Bestehen. Welche Meilensteine haben das Museum in diesen sechs Jahrzehnten besonders geprägt?
    Dr. Andrea Bignasca: Nach der Gründung und Eröffnung 1966 waren die Erweiterungen der Sammlung 1981 mit der Schenkung Ludwig sowie 2001 mit den Sammlungen des Alten Ägyptens und des Vorderen Orients die entscheidenden Meilensteine. Diese führten jeweils auch zu einer baulichen Erweiterung des Hauses. Danach wurden grosse Sonderausstellungen mit Leihgaben aus dem Ausland möglich.

    Welche Rolle spielt das Museum heute für Basel im Vergleich zu seiner Anfangszeit?
    Anfänglich standen die Werke und ihre damalige historische Bedeutung im Vordergrund. Heute reflektieren wir über die Vergangenheit, um die Gegenwart besser einzuordnen. In der Menschheitsgeschichte wiederholt sich vieles – Fehler ebenso wie Errungenschaften. Wir arbeiten stärker thematisch und zeigen Parallelen und Unterschiede auf.

    Welche Menschen haben das Antikenmuseum in den vergangenen Jahrzehnten besonders geprägt, und wie wird ihr Beitrag heute sichtbar?
    In der Gründungsphase waren es führende Persönlichkeiten grosser Unternehmen wie Ciba-Geigy oder des Bankvereins, die ihre Antikensammlungen dem Kanton Basel-Stadt schenkten und so ein Antikenmuseum ermöglichten. Dieses Mäzenatentum wirkt bis heute weiter, wenn auch in abgeschwächter Form. Die Geschichte dieser Schenkungen wird in eigenen Räumen des Museumsrundgangs sichtbar.

    Was möchten Sie den Besucherinnen und Besuchern im Jubiläumsjahr besonders vermitteln?
    Wie vielfältig und tiefgründig unsere Sammlungen sind. Unsere westliche Leistungskultur, aber auch die Wissenschaften, das Recht, die Literatur, der Sport sowie politische und gesellschaftliche Formen oder sogar die erste Demokratie der Welt haben ihren Ursprung in den antiken Kulturen rund um das Mittelmeer – allen voran in Griechenland. Wir sind die heutige Fortsetzung dieser Kulturen und Traditionen.

    Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im Antikenmuseum?
    Seit Januar bieten wir jeden Monat spezielle Jubiläumsaktionen für verschiedene Zielgruppen an. Dabei werden die Sammlungsinhalte immer wieder mit Events, Gastronomie und Genuss kombiniert. Das detaillierte Programm ist auf unserer Website ersichtlich.

    Direktor Dr. Andrea Bignasca: «Bei uns lassen sich beide «Welten» mit Leichtigkeit verbinden, sodass die Vergangenheit als weiterhin lebendig erfahrbar wird.»

    Das Museum ist bei Sonderausstellungen und Projekten auf Drittmittel angewiesen. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Stiftungen und Sponsoren in den letzten Jahren verändert?
    Basel ist seit dem Mittelalter eine Stadt wohlwollender Mäzeninnen und Mäzene, die sich auch im Kulturbereich stark engagieren. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen sowie die allgemein steigenden Kosten und Herausforderungen haben jedoch auch bei uns die Situation verändert. Die Antike hat es besonders schwer und muss immer wieder neu begründet werden, um erfolgreich zu sein.

    Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für das Antikenmuseum?
    Eine zunehmend wichtige. Unsere Archive sind bereits vollständig digitalisiert, ebenso unsere internen und externen Kommunikationsplattformen. In den Sammlungsrundgängen und Sonderausstellungen setzen wir seit Jahren verstärkt auf digital unterstützte Szenografie und Audioführungen für die Besuchenden.

    Wie gewinnen Sie junge Menschen für die antike Welt?
    Zum Beispiel mit den oben erwähnten digitalen Formaten, aber auch mit spezifischen Jugendprogrammen unserer Abteilung «Bildung und Vermittlung» sowie zuletzt mit einer eigens für ein jüngeres Publikum konzipierten Gaming-Ausstellung zur griechischen Mythologie («Hero Games – Entdecke das Heldenhafte in dir!» 2025–2026).

    Welche Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit am stärksten?
    Die Drittmittelfinanzierung in der heutigen anspruchsvollen Situation, aber auch die damit verknüpfte Rolle der Museen in der Komplexität der geopolitischen Lage. Es besteht die Tendenz, deutlich schneller in militärische Aufrüstung als in Bildung und Kultur zu investieren. Angesichts der bedrohlichen Lage ist dies zwar verständlich, aber grundsätzlich falsch.

    Was wünschen Sie sich, dass die Besucherinnen und Besucher nach dem Jubiläumsjahr über das Antikenmuseum in Erinnerung behalten?
    Dass sie uns als einen Ort in Erinnerung behalten, der sie willkommen heisst, inspiriert und zum Nachdenken anregt. Hier wird deutlich, dass die Antike kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte ist, sondern bis heute unsere Gesellschaft prägt und uns hilft, die Gegenwart besser zu verstehen. Bei uns lassen sich beide «Welten» mit Leichtigkeit verbinden.

    Welche Ausstellung würden Sie gerne realisieren, wenn Budget und Logistik keine Rolle spielten?
    Eine Ausstellung über die grossen Entdeckungen der Archäologie – von Ägypten über Mesopotamien bis nach Griechenland und Italien. Sie könnte die damalige Begeisterung für unsere Vergangenheit neu entfachen. Etwas realistischer planen wir für 2027 eine Ausstellung zur Entdeckung der frühen Schriftsysteme.

    Interview: Corinne Remund


    Das Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig feiert 2026 sein 60-jähriges Bestehen. Seit seiner Eröffnung im Mai 1966 hat es sich zur bedeutendsten Sammlung antiker Kulturgüter der Schweiz entwickelt. Aus diesem Anlass veranstaltet das Museum das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm mit Sonderführungen, Workshops, Familienanlässen und kulturellen Erlebnissen. Zu den Höhepunkten gehören das grosse Geburtstagsfest im Mai, kreative Mitmachangebote, ein besonderes «Dinner der Träume», eine Gruselnacht für Familien sowie eine spektakuläre Lichtshow zum Jahresende. Mit dem Jubiläum möchte das Museum seine Geschichte feiern und die Faszination der antiken Kulturen einem breiten Publikum näherbringen.

    www.antikenmuseumbasel.ch
    www.60jahre.antikenmuseumbasel.ch

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