Hoffnungsbarometer – Was Menschen in der Region 2026 sich erhoffen und erwarten

    Wer die Menschen in unserer Region nach ihren Erwartungen an das Jahr 2026 befragt, erhält gemäss diverser einschlägiger Umfragen konkrete und alltagsnahe Angaben: bezahlbares Wohnen, stabile Gesundheitskosten, funktionierende Mobilität, ein verlässlicher öffentlicher Raum. Gleichzeitig schwingt ein tiefer liegendes Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit mit. Genau dieses Spannungsfeld beschreibt das Hoffnungsbarometer 2026, das von der Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit swissfuture erhoben wurde.

    (Bilder: Bildarchiv Kanton Basel-Stadt) Im Hoffnungsbarometer 2026 sind auch die Sorgen und Hoffnungen der Bevölkerung aus unserer Region aufgelistet.

    Die Mehrheit der Menschen in der Schweiz ist offenbar mit ihrem persönlichen Leben eher zufrieden, blickt jedoch deutlich kritischer auf Politik, Wirtschaft, Klimaentwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für die Region Basel gilt das in besonderem Mass. Als dicht besiedelter, wirtschaftlich erfolgreicher und international verflochtener Raum werden Zielkonflikte hier früher und intensiver spürbar.

    Lebensqualität – mit wachsenden Reibungsflächen
    Basel-Stadt zählt weiterhin zu den Regionen mit der höchsten wahrgenommenen Lebensqualität. In kantonalen Bevölkerungsbefragungen wird diese seit Jahren stabil hoch bewertet (Basel-Stadt, Bevölkerungsbefragung 2024). Als Stärken werden regelmässig das Kulturangebot, die urbane Dichte und die Lage im Dreiländereck genannt. Gleichzeitig zeigen dieselben Erhebungen, wo der Druck 2026 zunimmt: beim Wohnungsangebot, bei den Mietpreisen und bei der Nutzung des öffentlichen Raums. Die demografische Perspektive verschärft diese Diskussion. Laut dem Statistischen Amt Basel-Stadt lebten Ende 2024 rund 207’500 Menschen im Kanton; bis 2045 wird – je nach Szenario – ein Wachstum auf 227’000 bis über 250’000 Einwohnerinnen und Einwohner erwartet. Wachstum bedeutet Chancen für Arbeitsmarkt und Urbanität, verstärkt aber auch den Wettbewerb um Fläche, bezahlbaren Wohnraum und Infrastruktur.

    Ein besonders klares Stimmungsbild liefert die Bevölkerungsbefragung zum Stadtverkehr Basel von gfs.bern (2025). 42 Prozent der Befragten fühlen sich durch fehlende Grünflächen beeinträchtigt, 37 Prozent durch Luftverschmutzung. Gleichzeitig sprechen sich 58 Prozent explizit für höhere Investitionen in Grünflächen und Begrünung entlang der Strassen aus; rund die Hälfte wünscht sich mehr Mittel für Veloinfrastruktur und qualitativ hochwertige Stadträume. Für 2026 lässt sich daraus ein typisch baslerischer Wunsch ableiten: Stadtentwicklung soll nicht ideologisch, sondern lebensnah gedacht werden. Erreichbarkeit, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität werden nicht mehr getrennt wahrgenommen, sondern als Einheit.

    Durch die besondere Lage am Dreiland ergeben sich für die Region auch 2026 besondere Herausforderungen.

    Kosten, Kaufkraft und das Bedürfnis nach Kontrolle
    Ein zentrales Sorgenmotiv im Hoffnungsbarometer 2026 ist der wahrgenommene Kontrollverlust bei Kostenfragen. Krankenkassenprämien, Mieten und Energiepreise werden als Belastungen erlebt, die sich dem individuellen Einfluss entziehen. In Basel-Stadt zeigt sich das besonders deutlich bei den überdurchschnittlich hohen Prämien, weshalb politische Entlastungsmodelle – etwa einkommensabhängige Begrenzungen – intensiv diskutiert werden.

    Im Baselbiet kommt eine weitere Ebene hinzu: Der Aufgaben- und Finanzplan 2026–2029 des Kantons Basel-Landschaft weist für das Jahr 2026 einen negativen Saldo der Erfolgsrechnung von rund 33 Millionen Franken aus. Das Defizit ist nicht Ausdruck einer akuten Krise, signalisiert jedoch einen eingeschränkten finanzpolitischen Handlungsspielraum. Die Zahlen beeinflussen unmittelbar die Prioritätensetzung bei öffentlichen Investitionen – etwa in Bildung, Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung oder das Gesundheitswesen – und verschärfen die politischen Verteilungskonflikte darüber, wo Mittel ausgebaut, stabilisiert oder gebremst werden sollen. Gerade in einer Phase steigender Kosten und wachsender Erwartungen wird damit die Frage zentral, wie finanzielle Stabilität und Zukunftsinvestitionen miteinander in Einklang gebracht werden können.

    Der Wunsch nach Verlässlichkeit und Sicherheit
    Bemerkenswert am Hoffnungsbarometer 2026 ist die Gleichzeitigkeit von Skepsis und Resilienz. Rund drei Viertel der Befragten geben an, auch in schwierigen Zeiten hoffnungsvoll bleiben zu wollen und auch zu können (Universität St. Gallen / swissfuture, 2026). Hoffnung entstehe dort, wo Menschen Vertrauen in Institutionen, Nachbarschaften und soziale Netzwerke haben.

    Das Thema Sicherheit hat in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen.

    Das Bedürfnis nach Sicherheit hat noch eine eine zusätzliche Dimension. Grenzpendeln, internationale Arbeitsteilung und hohe Mobilität sind fester Bestandteil des Alltags – sie stehen für wirtschaftliche Stärke und Offenheit, bringen aber auch besondere Herausforderungen für Sicherheit und Ordnung mit sich. Themen wie grenzüberschreitende Kriminalität, organisierte Deliktsformen oder der politisch und medial immer wieder diskutierte Kriminaltourismus prägen die öffentliche Wahrnehmung stärker als in rein nationalen Räumen. Dabei geht es weniger um statistische Dramatisierung als um das subjektive Sicherheitsempfinden im Alltag: Wie präsent ist Polizei? Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg? Und wie schnell reagieren Institutionen auf neue Bedrohungslagen – etwa auch im Bereich Cyberkriminalität oder grenzüberschreitender Eigentumsdelikte.

    Für viele Menschen in Basel und im Baselbiet ist Sicherheit deshalb nicht nur eine Frage von Polizeistatistiken, sondern ein Alltagsthema, das eng mit Verlässlichkeit und staatlicher Handlungsfähigkeit verbunden ist. Der Wunsch für 2026 richtet sich folglich weniger auf grosse Zukunftsvisionen als auf stabile Rahmenbedingungen: nachvollziehbare politische Entscheidungen, gut koordinierte Sicherheitsstrukturen im Dreiländereck und das Gefühl, dass öffentliche Institutionen handlungsfähig bleiben – auch unter finanziellen, gesellschaftlichen und geopolitischen Spannungen. Sicherheit wird damit zu einem Schlüsselbegriff der Hoffnung: nicht als Abschottung, sondern als Grundlage für Vertrauen, Kooperation und einen funktionierenden Alltag in einer der internationalsten Regionen der Schweiz. Der Wunsch für 2026 richtet sich daher weniger auf grosse Visionen als auf Verlässlichkeit, Fairness und nachvollziehbare politische Entscheidungen.

    JoW, div. Quellen


    Megatrends 2026

    Die Zukunftsforschung arbeitet nicht mit Vorhersagen, sondern mit Orientierungswissen. Swssfuture und das Zukunftsinstitut benennen in ihren aktuellen Megatrend-Maps (Ausgabe 2025/26) unter anderem zentrale Entwicklungen wie Neo-Ökologie, Gesundheit, Mobilität, Konnektivität, New Work, Wissenskultur und Sicherheit. Swissfuture identifiziert diese Kräfte als langfristig wirksam für die Schweiz. Für Basel und die Nordwestschweiz sind diese Megatrends besonders relevant:

    Gesundheit und Wissenskultur prägen den Life-Sciences-Standort, bringen aber gleichzeitig Kostendruck im Alltag. Neo-Ökologie und Mobilität spiegeln sich unmittelbar in Debatten um Grünraum, Verkehr und Klimaanpassung. New Work und Konnektivität beeinflussen Pendlerströme, Arbeitsmodelle und Standortattraktivität. Der Megatrend Sicherheit ist dabei breit zu verstehen – als finanzielle, soziale und politische Stabilität.

    Fazit: Die Region Basel geht nicht pessimistisch in das Jahr 2026 – aber es warten grosse Herausforderungen. Die Lebensqualität bleibt hoch, doch die Engpässe werden konkreter: Wohnen, Prämien, Kaufkraft, Freiraum, Mobilität. Das Hoffnungsbarometer 2026 zeigt, dass Hoffnung dort entsteht, wo Sicherheit und Wandel zusammen gedacht werden.

    JoW, div. Quellen

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